
BUNSEN
Strich, Form, Wirkung


KUNST-MANIFEST
"Noch ist die Bildfläche leer.
Gleichwohl kommt eine verhaltene Anspannung der Ungewissheit auf,
die auf einmal eine bevorstehende Kunst-Handlung ankündigt.
Wie ein entladender Blitz schlägt der mit Farbe getränkte Pinsel auf den Grund.
Identisch mit demselben Wesen dessen, der sie legt, formt sich eine bildnerische Gestik frei heraus.
Ach Du! ... schöner Unruhestifter."
"Bildräume, deren Vertrautheit sich von sich aus ankündigt, werden dabei zum Widerhall der eigenen Lebendigkeit.
Und dennoch schweigt das Bild!"
"Das Redende mag den Alltag bis zum Ersticken überschwemmen,
aber das Bild schweigt, hat es nicht nötig, sich an einer subjektiven Auffassung zu messen.
Und das Bild wird sich bis in Ewigkeit schweigsam verhalten,
zugunsten jeglicher vom Beobachter selbst formulierten Unterscheidung."
Frederick Bunsen
Ein Künstler ist ein Beobachter erster Ordnung
Ein Künstler handelt zunächst aus reiner Neugier - nicht,
weil er weiß, was zu tun ist, sondern um zu erfahren, was geschieht.
Ohne sich von Erwartungen oder Vorstellungen leiten zu lassen, beobachtet er aufmerksam,
was seine Hände hervorbringen. Erst in jenen kurzen Momenten,
in denen er aus seiner schöpferischen Trance auftaucht, beginnt er zu erkennen,
ob das entstandene Werk Bestand hat oder weiterentwickelt werden muss.
Ein Maler etwa steuert jede Veränderung seines Bildes durch die bewusste Auswahl der Möglichkeiten,
die ihm im jeweiligen Augenblick offenstehen.
Zum Beispiel, während ein Maler Farbe aufträgt,
achtet er zugleich auf das Zusammenspiel von Flächen und Linien - wie sie sich unterscheiden,
aufeinander reagieren oder sich gegenseitig bedingen. Was dabei zählt, ist nicht allein die Technik,
sondern der Sinn, der aus dem Prozess hervorgeht:
ein Verweisungsüberschuss (Niklas Luhmann) - oder, mit einem anderen Wort, eine Neuheit.
⚜
The artist acts not out of certainty, but out of curiosity-driven simply by the desire to see what unfolds.
He does not observe himself in the act; his focus remains on the unfolding process.
Only in brief, lucid moments-when he surfaces from his creative trance - can he begin to assess whether his actions
have yielded a coherent result, or whether the work demands further transformation.
A painter, for instance, navigates each shift in the painting by choosing from the possibilities available in that instant.
As he applies color, he remains attuned to the interplay of surfaces and lines - how they diverge, converge, and potentially shape one another.
Ultimately, what matters is what sense emerges from this process:
a surplus of references, a resonance beyond intention - or, put differently, a moment of genuine originality.
